Şile-Bezi (Şile-Stoff) ist ein handgefertigter Baumwollstoff, der seit Jahrhunderten an der Schwarzmeerküste, nahe Istanbul, produziert wird. Sein feines Gewebe und die traditionelle Herstellungsweise machen ihn zu einem besonderen Ausdruck lokaler Handwerkskunst. Der Stoff wird im Meer von Hand gewaschen und im Sand getrocknet, wodurch er auf natürliche Weise die Eigenschaften seiner Umgebung aufnimmt. Er steht für Geduld, Präzision und für ein Wissen, das über Generationen hinweg weitergegeben wurde. Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Şile entstanden. Mit ihrer Unterstützung konnte ein praxisnahes Vorhaben realisiert werden, das die Handwerkerinnen aktiv einbindet und die Sichtbarkeit des Stoffes fördert. Ziel ist es, den Şile-Stoff stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken, seine Wertigkeit und Vielseitigkeit hervorzuheben und ihn in einem zeitgenössischen Kontext neu zu positionieren. Die Arbeit verbindet dokumentarische Genauigkeit mit einem gestalterischen Ansatz. Fotografien und Videos zeigen den Stoff nicht nur als Material, sondern als Träger von Kultur, historischem Erbe und ästhetischer Erfahrung. Die fotografische Serie entwickelt dabei eine konzeptionelle Bildsprache, die den Stoff mit seiner geografischen und kulturellen Herkunft verknüpft. Aufnahmen an verschiedenen Orten in Şile verweisen auf seine Beziehung zur Landschaft, zum Meer und der lokalen Produktion. Die Verbindung von Modefotografie und konzeptionellem Storytelling setzt Tradition und zeitgenössisches Design in Beziehung. Die ruhige, reduzierte Bildsprache lenkt den Fokus auf die haptische Qualität des Materials. Ergänzt wird die fotografische Arbeit durch einen siebenminütigen Dokumentarfilm, eine editoriale Videoserie sowie eine Reihe dokumentarischer Aufnahmen. Gemeinsam bilden sie eine umfassende visuelle Dokumentation, die Einblicke in Herstellung, Bedeutung und gestalterisches Potenzial des Şile-Stoffs ermöglicht. Das Projekt wurde unter anderem im KALTBLUT Magazine, Gmaro Magazine und Dodged Magazine veröffentlicht. Die Dokumentation des Projekts ist zudem beim Paris Short Film Festival 2026 nominiert.